Wofür wir uns einsetzen

Präambel zur Satzung

Zum grundlegenden Selbstverständnis der Kirche gehört der biblische Anspruch und Auftrag nach Matthäus 25, 35: „Christus spricht: ‚Ich war fremd und ihr habt mich aufgenommen.‘“

Die Fluchtbewegungen seit 2015 führten bundesweit zu spontaner humanitärer Hilfsbereitschaft und zur Schaffung von Beratungs- und Zufluchtsangeboten. Es entstand eine umfassende kirchliche und
zivilgesellschaftliche Aufnahme- und Hilfestruktur. Wanderern eine Herberge und Verfolgten eine Zuflucht zu bieten, ist immerhin eine der ältesten Aufgaben der Christenheit. Im Angesicht der aktuellen Entwicklungen, der Zunahme von Ausgrenzung, Abwehr, ja, und auch Hass beharren wir auf der Erfüllung des biblisch begründeten Auftrags und halten an unserem Engagement fest. Wir wissen, dass Teilen uns nicht ärmer, sondern reicher macht.

  • Wir setzen uns weiterhin ein für Geflüchtete und Menschen in Not und wollen ihnen Schutz und Unterstützung bieten, damit sie neue Lebensperspektiven gewinnen können.
  • Wir wollen zur Vernetzung der entstanden Hilfestrukturen und zur Bündelung und Weitergabe der notwendigen Informationen beitragen. Wir wollen ein Forum und Sprachrohr der Engagierten ebenso wie der Betroffenen sein.
  • Wir wollen Kirchenasylberatung und Strategien zur Vermeidung von Kirchenasylen stärken.
  • Es ist uns wichtig, politische Entwicklungen bezüglich Flüchtlingsaufnahme, Integration und Rückführungen kritisch zu beobachten und zu reflektieren.
  • Es geht uns darum, dem kirchlichen Diskurs über und der innerwie außerkirchlichen Meinungsbildung zu Migrationsund Menschenrechtsfragen Raum zu bieten.
  • Wir werben in unserer Kirche auf allen Ebenen dafür, kirchliche Räume als Zufluchtsstätten nutzbar zu machen, in denen Menschen Aufnahme finden können, die keine Bleibe haben oder gefährdet sind.
  • Wir möchten für die Belange von Geflüchteten und Schutzbedürftigen sensibilisieren. Wir möchten Handlungsperspektiven eröffnen und so das Wort Gottes in der Welt sichtbar machen.

Wir wissen: Es ist nicht unser Verdienst, in ein Land und eine Gesellschaft hinein geboren worden zu sein, die von Wohlstand, Freiheit und Teilhabe gekennzeichnet sind. Deshalb ist es für uns
selbstverständlich, denen zu helfen, denen diese Lebensmöglichkeiten nicht gegeben sind.
Wir begreifen uns selbst als Gäste auf Erden in der Tradition der jüdisch-christlichen Fremdheitserfahrung des Gottesvolks:

„Ein Fremdling soll bei euch wohnen wie ein Einheimischer unter euch,
und du sollst ihn lieben wie dich selbst; denn ihr seid auch
Fremdlinge gewesen in Ägyptenland.“ (3. Mose 19,33+34)

Konkret wollen wir:

  • Kirchengemeinden stärken, die im Bereich Kirchenasyl aktiv sind;
  • Zuflucht gewährende Gemeinden gegenüber den Dekanaten und der Kirchenleitung stärken und ihnen eine Stimme geben;
  • Stimme der Zuflucht gewährenden Gemeinden in der Öffentlichkeit und gegenüber der Politik sein;
  • Zuflucht gewährende Gemeinden miteinander vernetzen, ein Forum zum Erfahrungsaustausch bieten und zur theologischen wie auch juristischen Reflexion;
  • Raum schaffen zum Zuhören und zur Klärung von Einzelfällen;
  • zur juristischen Absicherung von Kirchenasyl beitragen;
  • Erfahrungen und Ergebnisse einzelner Gemeinden sichern und allen zugänglich machen;
  • im Netzwerk die Nachbetreuung von Menschen im Kirchenasyl absichern, die nicht regional, sondern weiter entfernt vom Wohnort Zuflucht gefunden haben;
  • die Mitarbeiter*innen in der Zufluchtsarbeit stärken, emotional stützen und ihre Arbeitsleistung anerkennen;
  • Spenden einwerben, um Zuflucht gewährende Gemeinden auch finanziell unterstützen zu können;
  • uns einsetzen für eine pro-aktive Aufnahme von Flüchtlingen, sei es aus den Herkunfts- oder aus Drittstaaten;
  • politische Lobbyarbeit betreiben z. B. zu Themen wie Abschiebehaft oder Familienzusammenführung;
  • eine Diskussion darüber anstoßen und begleiten, was die Flüchtlingssituation für das Thema „Kirche und Raum“ bedeutet;
  • mithelfen, eine Bestandsaufnahme kirchlicher Räume zu erstellen: Was steht wo zur Verfügung? Was könnte wie genutzt werden? (Stichwort „Gästewohnungen“);
  • Herberge für Pilger*innen, Schulklassen und Jugendgruppen, Reisende, Obdachlose bieten;
  • Beteiligung und Anhörung im Prozess der Gebäudekonzeptentwicklung der Landeskirchen;
  • das, was früher viele evangelischen Pfarrhäuser geleistet haben, in moderner Form erneut mit Leben füllen, die Tradition der Aufnahme von Gästen fortsetzen.